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 Leseprobe - Alden Blackwood

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BeitragThema: Leseprobe - Alden Blackwood   Sa Feb 01, 2014 9:03 pm

„Es gibt nur ein Gesetz“, sagte Blackwood, und der Raum hing an seinen Lippen, „Liebe und du wirst geliebt. So einfach ist das.“ Lächelnd zündete er sich eine Zigarette an, wartete auf den blauen Dunstschleier, nur um zu flüstern: „Immer.“ „Es ist niemals so leicht“, krächzte der Doktor, sein Einstecktuch justierend. „Wir müssen all die Variablen berücksichtigen. Dabei hat man zu differenzieren.“ - „Niemand braucht mehr Differenzen. Am menschlichsten ist der Mensch zusammen. Lassen Sie mich nur ausholen, dann werden Sie verstehen.“
Jeder Gast schwieg über seinem halbleeren Glas, wartete auf jedes neue Wort.
Jedes neue Wort, dass sie schockieren würde, an die Grenzen ihres Verstandes. Dafür waren sie gekommen. Für die angenehme Furcht, die sie dicht aneinander drängte, für jedes Bisschen Wärme, dass sie erfahren könnten. Gespannt saugten sie die rauchschwere Luft ein, wie im Drogenrausch, ganz ohne Zurückhaltung. „Atmen Sie ruhiger. Diese Unglaublichkeit kann ich unserem Kreis nicht vorbehalten.“ In seinem samtgepolsterten Sessel lehnte sich Blackwood zurück, sammelte die Trümmer seines Geistes, um sie ein weiteres Mal zu einem teuflischen Puzzlespiel zusammenzusetzen. Der Gedanke überflutete ihn sichtlich mit Unbehagen, doch nach nur einem weiteren Schluck aus seinem Flachmann berichtete er mir und den anderen von diesen Ungeheuerlichkeiten. Ich schrieb nieder, was ich aus seiner Erzählung behalten konnte, und seien auch Stellen falsch wiedergegeben, so sind Kern und Rahmen der Geschichte ohne Zweifel gleich geblieben. Ohne weitere Vorrede: Dies ist die Geschichte von Alden Blackwood, erzählt in jener stürmischen Novembernacht des Jahres 1967.

Kapitel 1 – Erzählung vom 2. November 1965

» Nicht lange nach Mittag, wohl gegen drei Uhr, betraten wir ein kleines Antiquitätengeschäft auf der East Durne Street. Jahrzehnte von Staub und Spinnweben waren die Haupthandelsware dieses Ladens, und dennoch hatte meine charmante Begleitung versteckt unter diesen unansehnlichen Gütern etwas entdeckt, das ihr gefiel: Ein goldenes Medaillon. Schon damals war ich der Auffassung, die Damenwelt ließe sich mit derartigen Geschenken beeindrucken, und somit bereit, ihr das besagte Stück zu kaufen. Ratternd meldete die Türklingel prompt unser Eintreten, worauf wir hustend auf den Besitzer warteten. Meine beiden Begleiterinnen wurden langsam unruhig, also betätigte ich die Klingel auf dem Verkaufstresen, ohne Erfolg zuerst, doch schon bald ließ sich eine Gestalt im hinteren Teil des Ladens ausmachen. Ein Angestellter, zweifellos. Gespenstisch blass, dürr und nicht allzu groß – Ich war mir sicher der Junge hatte das Sonnenlicht schon lange nicht mehr direkt gesehen. Nervös drückte Jane neben mir meinen Arm, drängte mich stumm, die Sache schnell hinter sich zu bringen. Ein breites Lächeln erschien auf meinem Gesicht, als ich mich auf den Tresen lehnte. „Ich interessiere mich für dieses Schmuckstück“, sprach ich den Verkäufer an, das Medaillon an der Kette vor ihm baumelnd, „Nenn mir einen Preis.“ Er blinzelte, sah mich an, als ob er keinen Ton Englisch verstehen würde. Dann wisperte er „Zweihundert Pfund.“ Ich bezahlte mit Scheck, und verließ den Laden, mit den beiden Damen im Arm, zufrieden. An diesem Tag machte ich die Bekanntschaft von Nimrod Harcott.
Wir amüsierten uns köstlich über diese recht schräge Gestalt, zumindest kam es mir zu diesem Zeitpunkt so vor. Jane und ich spielten uns die Bälle gekonnt zu, während meine süße Lizzie die Straßen mit ihrem glockenhellen Lachen füllte. Könnte ich die Zeit zurückdrehen zu diesen magischen Stunden, in denen wir drei sorglos in der Sonne spazierten, unwissend der Ereignisse, die noch kommen sollten, dann schwöre ich Ihnen, meine Damen und Herren, ich würde es tun. Ohne auch nur einen einzigen Moment zu zögern.
Nachdem wir schließlich den Nachmittag lang den glücklicherweise warmen Herbsttag ausgenutzt hatten, wandten wir uns noch einem letzen Ort zu - dem selben Lokal in dem wir uns gerade aufhalten. Die beiden Damen und ich setzten uns auf die hohen Hocker, die dort überall bereitstanden, und bestellten auf meine Rechnung Sandwiches und Kaffee. Über dem Rattern der Espressomaschine machte ich den einzigen anderen Gast zu dieser Stunde aus – einen alten, eingesunkenen Priester, der weit weg, am Ende des Raums, wie in Trance sein Getränk umrührte. Regelmäßige Kreise, immer und immer aufs neue. Fast wurde ich selbst schläfrig vom monotonen Geräuschpegel von Maschine und Rühren, wäre nicht eine nachtschwarze Flüssigkeit vor mir deponiert wurden. Nicht lange jedoch sollte ich über den Tassenrand meiner schaumigen Köstlichkeit unbesorgt blicken, denn schon nach der kurzen Zeitspanne von etwa zehn Minuten erblickte ich ein vertrautes Gesicht im Türrahmen, das des bleichen Jungen, der mir heute Mittag das Amulett verkauft hatte. Nachdenklich biss ich auf dem Ende meines Löffels herum, stieß Lizzie dann mit dem Ellenbogen an, um auch ihre Aufmerksamkeit auf den Neuankömmling zu wenden.
„Was glaubst du, ist er uns bis hierher gefolgt?“, flüsterte ich ihr ins Ohr. „Du bist mal wieder paranoid, Al. Er will sicher nur einen Kaffee trinken“, war die wenig bestätigende Antwort, die ich erhielt. Dieser Realismus war eine der Eigenschaften, die ich an ihr liebte. Er holte mich heraus aus meinen damaligen Vorstellungen davon, wie die Welt zusammenhing. Auch in jenem Fall sollte sie Recht behalten. Der Barmann wartete nicht darauf, dass der blasse Kerl seine Wünsche äußerte er stellte ihm einfach eine Tasse Tee hin, und begrüßte ihn lächelnd. Ich hingegen bemühte mich, möglichst leise zu trinken, um zumindest einen Teil ihrer Konversation mitzuhören.
„...wieder Feierabend, Nimrod?“
„Hmm.“
„Ansonsten (…) beim Alten? Kommst du mit der Miete (…)?“
„Ja.“
„Na dann.“
Aus den wenigen Worten die ich verstand, konnte ich ableiten, dass der Verkäufer „Nimrod“ hieß, oder so genannt wurde – seltsamer Name, finden Sie nicht? - und dass er wohl öfter hierher kam. Nichts besonderes also, und dennoch: Diese Verschlossenheit, dieses Mysteriöse, welches den Jungen umgab wie eine Dunstwolke, faszinierte mich. Schlürfend nahm ich einen tiefen Schluck aus meiner Tasse und stellte sie leer wieder ab. Nur eine Möglichkeit, mehr über ihn herauszufinden. „Hey, Kumpel. Wieso so traurig?“, rief ich ihm zu, machte mir nicht einmal Gedanken darüber, ob ich den richtigen Ton getroffen hatte. Selbstverständlich bekam ich keine Antwort. Er nahm einfach seine Tasse und zog sich damit in eine andere Ecke zurück. „Was sollte das denn?“, wisperte Lizzie, mit jedem Grund dazu, sich zu ärgern. „Lass ihn doch in Ruhe. Er...“ An dieser Stelle konnte sie ihren Satz nicht zu Ende bringen, da ich sie nach Art der Liebenden unterbrach. Der Kuss schmeckte nach Sahne und stellte sicher einen der besseren Momente jenes Abends dar. Leeres Geplauder wurde zwischen uns ausgetauscht, bis all die Tassen nur noch Randsatz hatten, all die Teller nur noch Brösel. Es war schon längst dunkel geworden auf den Straßen, dämmriges Birnenlicht waberte durch den Nebel zu uns hinein, tanzte mit den Strahlen aus dem Barfenster. Die neuerliche Monotonie der Geräusche ließ mich fast vergessen zu bemerken, dass 'Nimrod' aufstand um den Laden zu verlassen. Gut, dachte ich bei mir, auf einen letzten Versuch kann ich es ankommen lassen, und signalisierte den Mädchen, dass es auch für uns Zeit war zu gehen. Das Geld für Essen und Getränke ließ ich dem Barmann auf dem Tresen, folgte danach meinen Freundinnen in Richtung Tür. In diesem Moment spielte mir das Schicksal ein weiteres Mal gute Karten zu, auch wenn es makaber ist, das zu behaupten. Ohne Probleme schloss ich den Abstand zwischen uns auf, und klopfte ihm freundschaftlich auf die Schulter. „Entschuldigung, wenn ich dich vorhin belästigt habe. Ich dachte mir nur dass ich...“. Weiter kam ich nicht, da er mich unsanft zur Seite schob, und weiter seiner Wege ging. Der bleiche Junge war keine fünf Yards weit gekommen, da brach er Auch schon auf dem linken Fahrstreifen zusammen. Ich dachte nicht über Konsequenzen nach, handelte rein instinktiv. Im Bruchteil einer Sekunde hatte ich ihn von der Straße gezogen und seinen Puls geprüft. Glücklicherweise war er nur ohnmächtig, also hievte ich ihn hoch, stützte ihn auf meiner Schulter ab und drehte mich wieder zu Jane und Lizzie um. Schnell denken war die Devise, und das pechschwarze Getränk, das meine Blutbahnen durchströmte als wäre ich im Rausch, tat seinen Teil zur Erfüllung ebendieser. Schnell blickte ich nach links und rechts. Die Leute hatten mich gesehen. Manch einer möge denken, es war meine Schuld, was mit ihm passiert war, und – soviel möchte ich vorweg greifen, geehrtes Publikum, in einer gewissen Weise war es das auch – das konnte ich nicht an die Öffentlichkeit geraten lassen. Versetzten Sie sich in meine Rolle. Ich war der Sohn eines der ehrbarsten Häuser dieses Landes. Mein Vater, wie sich die Älteren unter Ihnen erinnern können, war im House of Lords. Wir Blackwoods mussten unsere Weste rein halten. Selbst wenn das nicht so wäre, was hätten Sie getan, wenn Ihnen jemand fast noch im Arm zusammenbricht? In jener Nacht traf ich eine Entscheidung. Bei Gott, was war ich doch ein dummes Kind. Aber wie sollte ich auch die Zusammenhänge begreifen? Aber ich lenke ja nur ab. Sie wollen das doch alles nicht wissen.
Sie wollen wissen, was als nächstes geschah. Etwas äußerst unspektakuläres. „Du kannst ihn doch nicht einfach hier liegen lassen, Al!“, flüsterte Lizzie, und sie hatte wie immer Recht. „Er muss zu einem Arzt gebracht werden.“ In Gedanken wägte ich diese Aussage ab. Jane, dieses Teufelsweib, das sah ich ihr an, hatte andere Pläne – Ich hätte ihn ja auch gerne in der nächsten Gasse fallen lassen wie einen Sack Stroh, aber leider band mich meine Ehre an den rechten Pfad. Zumindest damals noch. „Um diese Zeit finden wir keinen mehr“, versuchte ich mich an einer Erklärung, „Wir rufen ein Taxi. Heute Nacht bleibt er bei uns.“

_________________
„So fahre ich, Agamemnon, grimmen Mutes, in die Schicksalsschlacht/
Mein Feind, der schlimmste aller Feinde, mein Verstand /
Mein Speer ist stumpf, mein Arm ist müde, dennoch steh' ich/
Ich stehe, geh' hinaus zum Rand/
Dem tiefsten Abgrund aller Welten, lachend und/
Spucke hinab, bevor ich springe.“
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